Paartherapie allein: Was tun, wenn dein Partner nicht mitkommen will?

Jana Ganzert5 Min. Lesezeit

Ja, du kannst eine Paartherapie allein beginnen. Paartherapie heißt nicht, dass immer beide im Raum sitzen müssen. Ein Muster braucht zwei, um zu kollidieren, aber nur einen, um es zu erkennen. Wenn du verstehst, was in dir passiert, wenn euer Streit kippt, und anders reagierst als bisher, kann sich auch das Zusammenspiel zwischen euch verändern. Was allein nicht geht: deinen Partner oder deine Partnerin verändern oder eine Entscheidung für euch beide treffen.

Dieser Beitrag ist für dich, wenn du schon lange überlegst, Hilfe zu holen, und jedes Mal an derselben Stelle hängen bleibst: Der andere will nicht.

Warum dein Partner vielleicht nicht will

Ein Nein zur Paartherapie klingt oft wie ein Nein zur Beziehung. Meistens ist es das nicht. Dahinter stehen häufig ganz andere Gedanken:

  • Die Sorge, dort als der Schuldige dazustehen, zwei gegen einen.
  • Scham, mit einer fremden Person über so Privates zu sprechen.
  • Die Überzeugung, dass man das als Erwachsener allein hinbekommen muss.
  • Die Angst, dass in der Therapie herauskommt, dass es vorbei ist.
  • Schlechte Erfahrungen, mit Therapie oder mit Gesprächen, die nur zu mehr Streit geführt haben.

In der Individualpsychologie nach Alfred Adler, mit der ich arbeite, fragen wir bei einem Verhalten nicht zuerst warum, sondern wozu. Wozu dient das Nein? Oft schützt es vor etwas: vor dem Gefühl, versagt zu haben, vor einem Urteil, vor einer Wahrheit, die noch zu groß ist. Wenn du das Nein so anschaust, musst du es nicht persönlich nehmen. Du musst es auch nicht überwinden. Du kannst es erst einmal stehen lassen.

Was sich verändern kann, wenn einer anfängt

Aus systemischer Sicht ist eine Beziehung ein Zusammenspiel. Jeder Schritt des einen beantwortet einen Schritt des anderen, und umgekehrt. Du kennst das vielleicht aus eurem Streit: Einer zieht sich zurück, der andere wird lauter, der Erste zieht sich weiter zurück. Keiner von euch hat das Spiel erfunden, aber beide spielen es mit.

Wenn du allein anfängst, schauen wir auf deinen Teil dieses Spiels. Woher kennst du den Moment, in dem es kippt? Was hast du früh gelernt, um gehört oder in Ruhe gelassen zu werden? Was befürchtest du, wenn du anders reagierst? Es geht um den Teil, auf den du Einfluss hast.

Wenn du diesen Moment erkennst und anders reagierst, fehlt dem alten Ablauf ein Stück. Manchmal merkt der andere das, ohne erklären zu können, was sich verändert hat. Manchmal wird der andere dann neugierig, und manchmal kommt er irgendwann mit. Versprechen kann ich dir das nicht. Wie dein Partner oder deine Partnerin reagiert, liegt nicht bei dir.

Was in den ersten Sitzungen allein passiert

Wir nehmen uns einen konkreten Streit vor, einen, der dir noch nachgeht. Nicht, um zu klären, wer recht hatte, sondern um genau hinzuschauen: Was ist in dir passiert, in dem Moment, in dem es gekippt ist? Welcher Satz hat dich getroffen, und was hast du darin gehört?

Dann fragen wir, woher du dieses Gefühl kennst. Oft ist es älter als die Beziehung. Vielleicht kennst du es aus deiner Familie, vielleicht aus deiner Rolle unter den Geschwistern, vielleicht aus einer früheren Partnerschaft. Und wir fragen, wozu deine Reaktion gut ist: Was soll sie dir sichern, wovor soll sie dich schützen?

Was du im Alltag ausprobieren kannst, sind kleine Veränderungen an deinem eigenen Teil. Keine großen Aussprachen und keine neuen Regeln für euch beide, sondern zum Beispiel einen Satz anders sagen, eine Pause einlegen, bevor es eskaliert, oder eine Frage stellen statt eines Vorwurfs.

Was allein nicht geht

Auch das gehört dazu:

  • Ich kann deinen Partner nicht aus der Ferne verstehen oder beurteilen. Ich höre nur deine Sicht, und das behalte ich im Blick.
  • Die Sitzungen sind kein Ort, um Argumente gegen den anderen zu sammeln. Es geht um dich.
  • Ob ihr zusammenbleibt, entscheidet ihr. Allein klären kannst du, was du willst und was du brauchst. Die ganze Antwort gebt ihr euch zu zweit.

Und manchmal führt der Weg allein zu einer Klarheit, die du dir anders gewünscht hättest. Auch dann weißt du am Ende, woran du bist, und musst nicht länger in der Schwebe leben.

Wie du deinen Partner fragen kannst

Ob dein Partner mitkommt, hängt auch davon ab, wie du fragst. Ein paar Dinge machen es leichter:

  • Frag nicht im Streit, sondern an einem ruhigen Tag.
  • Sprich von dir, nicht vom anderen. Nicht: Du musst dich ändern. Sondern: Ich will verstehen, was ich zu unserem Streit beitrage.
  • Stell kein Ultimatum. Ein Termin unter Druck beginnt mit einem Gegner im Raum.
  • Lass die Tür offen. Niemand muss sofort ja sagen, dazukommen geht auch später.

Ein Satz, den du sagen kannst, wenn dir die Worte fehlen:

Ich gehe da hin, weil ich verstehen will, was ich zu unserem Streit beitrage. Du musst nicht mit. Aber du darfst.

Allein anfangen bei mir

Du kannst bei mir allein anfangen, online per Video oder in meiner Praxis in Nordenham. Das eigene Muster zu verstehen geht auch im Einzelsetting, und für viele ist das der erste Schritt. Ob und wann dein Partner oder deine Partnerin dazukommt, entscheidet ihr, nicht ich.

Kommt der andere später dazu, besprechen wir zuerst gemeinsam, wie wir mit dem umgehen, was du allein erzählt hast, damit sich niemand übergangen fühlt. Wie eine Paartherapie bei mir sonst abläuft, steht im Beitrag Paartherapie online.

Quellen

Erstgespräch

Wenn ihr darüber sprechen wollt

Im Erstgespräch erzählt ihr, ich höre zu und stelle Fragen. Am Ende sage ich euch offen, ob ich glaube, dass ich mit euch arbeiten kann, und wie. Ihr entscheidet danach in Ruhe. Das Erstgespräch dauert wie jede Sitzung 90 bis 120 Minuten und kostet 420 Euro.

Bitte schreibt in eine erste E-Mail keine Einzelheiten zu eurer Situation. Ein Satz, dass ihr ein Erstgespräch möchtet, und eine Telefonnummer reichen.