Paartherapie, Paarberatung oder Paarcoaching: Was ist der Unterschied?

Jana Ganzert5 Min. Lesezeit

Rechtlich trennt die drei Begriffe weniger, als die meisten denken: Weder Paartherapie noch Paarberatung noch Paarcoaching ist ein gesetzlich geschützter Begriff. Jeder darf sie verwenden. Der eigentliche Unterschied liegt in zwei Dingen: in der Ausbildung der Person, die vor euch sitzt, und in der Tiefe, in der gearbeitet wird. Grob gesagt schaut ein Coaching nach vorn auf Ziele, eine Beratung sortiert eine konkrete Frage, und eine Therapie schaut dorthin, wo euer Streit herkommt. Geschützt sind dagegen bestimmte Berufsbezeichnungen, und auf die solltet ihr achten.

Paarcoaching: der Blick nach vorn

Ein Coaching ist zielorientiert. Ihr formuliert, wo ihr als Paar hinwollt, und arbeitet an Schritten dorthin: besser miteinander reden, Aufgaben fairer verteilen, wieder Zeit füreinander finden. Coaching fragt selten, woher ein Verhalten kommt, sondern was ihr ab morgen anders machen könnt.

Das kann gut passen, wenn eure Beziehung im Kern trägt und ihr eine konkrete Baustelle habt. Eine Ausbildung zum Coach ist allerdings nicht gesetzlich geregelt. Was ein Coach gelernt hat, reicht von einem Wochenendkurs bis zu einer mehrjährigen Weiterbildung.

Paarberatung: Orientierung in einer konkreten Frage

Paarberatung, früher oft Eheberatung genannt, hilft beim Sortieren. Sollen wir zusammenbleiben? Wie gehen wir mit einer Affäre um? Wie organisieren wir uns, wenn das Baby da ist? Beratung ist meist kürzer und auf ein Thema begrenzt. Viele Paarberaterinnen und Paarberater arbeiten in kirchlichen oder sozialen Beratungsstellen und haben dort eine anerkannte Weiterbildung. Was das kostet, steht im Beitrag Zahlt die Krankenkasse eine Paartherapie?.

Paartherapie: dorthin schauen, wo der Streit herkommt

Eine Paartherapie geht tiefer. Sie fragt nicht nur, was zwischen euch passiert, sondern warum es sich immer wiederholt. Oft liegt die Antwort in Mustern, die jeder von euch lange vor dieser Beziehung gelernt hat: wie man Nähe bekommt, wie man sich schützt, wie man sich behauptet. Wenn zwei solche Muster aufeinandertreffen, entsteht der Streit, den ihr auswendig kennt.

Paartherapie ist deshalb dann sinnvoll, wenn Gesprächsregeln und gute Vorsätze nicht mehr reichen, oder wenn ihr immer wieder an derselben Stelle landet. Leidet einer von euch so stark, dass es über den Konflikt hinausgeht, sollte zuerst geklärt werden, ob eine eigene psychotherapeutische Behandlung nötig ist. Warum sich manche Streits immer wiederholen, erkläre ich im Beitrag Immer wieder der gleiche Streit.

Die Paartherapie dient euch als Paar und jedem Einzelnen ganz besonders. Egal, ob ihr zusammenbleiben werdet oder jeder seinen eigenen Weg allein weitergeht, ist das eine gute Investition in eure Zukunft!

Die drei auf einen Blick

  • Paarcoaching schaut nach vorn: Welche Ziele habt ihr, welcher nächste Schritt bringt euch hin? Meist kurz, praktisch, ohne Blick in die Vergangenheit.
  • Paarberatung sortiert: eine konkrete Frage, eine Entscheidung, eine Lebensphase. Oft in Beratungsstellen.
  • Paartherapie versteht: Warum wiederholt sich der Streit, welche alten Muster stecken darin? Sie dauert in der Regel länger und geht tiefer.

Die Grenzen sind fließend. Eine gute Beraterin schaut auch auf Muster, und ein guter Coach merkt, wenn ein Thema zu tief für ein Coaching ist. Die Einteilung hilft euch aber, die eigene Frage einzuordnen: Wollt ihr ein Ziel erreichen, eine Entscheidung treffen oder verstehen, was zwischen euch passiert?

Wenn eure Beziehung im Kern trägt und ihr nur an einer Stelle festhängt, kann ein Coaching oder eine Beratung genau richtig sein. Das sage ich auch als Psychotherapeutin. Nicht jeder Streit braucht eine Therapie.

Was wirklich geschützt ist

Wenn die Begriffe nichts über die Qualifikation verraten, lohnt sich der Blick auf das, was gesetzlich geschützt ist:

  • Psychotherapeutin oder Psychotherapeut darf sich nach dem Psychotherapeutengesetz nur nennen, wer eine staatliche Approbation hat. Dahinter stehen ein Studium, eine mehrjährige Aus- oder Weiterbildung und eine staatliche Prüfung. Auch Ärztinnen und Ärzte dürfen die Bezeichnung führen, auf Wunsch mit dem Zusatz ärztlich.
  • Diplom-Psychologin oder Diplom-Psychologe ist ein akademischer Grad, den nur trägt, wer Psychologie an einer Hochschule studiert und abgeschlossen hat.
  • Wer eine Approbation hat, ist Mitglied einer Psychotherapeutenkammer und an deren Berufsordnung gebunden. Unter die strafrechtliche Schweigepflicht nach § 203 StGB fallen Psychotherapeutinnen, aber zum Beispiel auch Berufspsychologinnen und Beraterinnen in anerkannten Ehe- und Familienberatungsstellen.

Nach dem Psychotherapeutengesetz ist die Arbeit an einem Paarkonflikt allein keine Psychotherapie. Deshalb darf Paartherapie auch ohne Approbation oder Heilerlaubnis angeboten werden, solange keine Störung mit Krankheitswert behandelt wird. Warum die Krankenkasse sie deshalb auch nicht bezahlt, erkläre ich im Beitrag Zahlt die Krankenkasse eine Paartherapie?. Den Unterschied macht, ob die Person vor euch erkennen kann, wann hinter einem Konflikt mehr steckt.

Daneben gibt es Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker für Psychotherapie. Sie dürfen psychotherapeutisch arbeiten, aber nicht die Berufsbezeichnung Psychotherapeutin führen. Und es gibt viele gut ausgebildete Paartherapeutinnen ohne Heilerlaubnis, zum Beispiel mit einer systemischen Weiterbildung. Über die Qualität ihrer Arbeit sagt der Rahmen allein nichts.

Welche Fragen ihr vorher stellen könnt

Egal, bei wem ihr landet: Ihr dürft fragen, bevor ihr euch entscheidet. Ein seriöses Angebot beantwortet diese Fragen gern.

  1. Welche Ausbildung haben Sie, und wo haben Sie sie gemacht?
  2. Haben Sie eine Approbation oder eine Heilerlaubnis?
  3. Wie arbeiten Sie mit Paaren, und mit welchen Verfahren?
  4. Wie gehen Sie mit der Schweigepflicht um, auch wenn einer von uns allein kommt?
  5. Was kostet eine Sitzung, und wie lang ist sie?

Wie ich arbeite

Ich bin Diplom-Psychologin, approbierte Psychologische Psychotherapeutin und zertifizierte systemische Familien- und Paartherapeutin. Dazu kommen das Curriculum zur klinischen Hypnotherapeutin am Milton-Erickson-Institut Hamburg, eine Subspezialisierung in Individualpsychologie am Alfred-Adler-Institut Delmenhorst und meine Arbeit als Lehrbeauftragte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

In einer Weiterbildung nach meinem Studium bin ich Paul Watzlawick begegnet. Er hat einen Satz von Abraham Maslow zitiert, der mich seitdem begleitet:

Wer nur einen Hammer in seinem Werkzeugkasten hat, für den sieht jedes Problem aus wie ein Nagel.

Abraham Maslow

Deshalb arbeite ich nicht mit einer einzigen Methode, sondern tiefenpsychologisch, systemisch, hypnotherapeutisch und individualpsychologisch, je nachdem, was ihr gerade braucht. Was meine Arbeit von einem Coaching unterscheidet, ist die therapeutische und diagnostische Ausbildung: Ich achte darauf, welche Struktur bei euch beiden reagiert, und ob hinter einem Streit etwas steckt, das eine eigene Behandlung braucht.

Ich verstehe meine Arbeit als Begleitung auf Zeit, ganz nach dem Satz: Ich schenke dir keine Fische, ich lehre dich lieber fischen. Ihr sollt mich am Ende nicht mehr brauchen.

Quellen

Erstgespräch

Wenn ihr darüber sprechen wollt

Im Erstgespräch erzählt ihr, ich höre zu und stelle Fragen. Am Ende sage ich euch offen, ob ich glaube, dass ich mit euch arbeiten kann, und wie. Ihr entscheidet danach in Ruhe. Das Erstgespräch dauert wie jede Sitzung 90 bis 120 Minuten und kostet 420 Euro.

Bitte schreibt in eine erste E-Mail keine Einzelheiten zu eurer Situation. Ein Satz, dass ihr ein Erstgespräch möchtet, und eine Telefonnummer reichen.