Zahlt die Krankenkasse eine Paartherapie?

Jana Ganzert3 Min. Lesezeit

In aller Regel nein. Weder die gesetzliche noch die private Krankenversicherung übernimmt eine Paartherapie, weil sie keine Krankenbehandlung ist. Die Krankenkasse bezahlt Psychotherapie, wenn bei einem einzelnen Menschen eine psychische Erkrankung festgestellt und behandelt wird. Ein Beziehungsproblem allein ist keine Krankheit im Sinne der Krankenversicherung, so belastend es sein mag.

Ich erkläre hier, wie das zusammenhängt, damit ihr wisst, worauf ihr euch einlasst, bevor ihr euch entscheidet.

Warum die Krankenkasse Paartherapie nicht bezahlt

Was die gesetzlichen Krankenkassen an Psychotherapie bezahlen, regelt die Psychotherapie-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Sie kennt vier Verfahren: die analytische Psychotherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die Verhaltenstherapie und seit einer Entscheidung vom November 2019 auch die Systemische Therapie für Erwachsene.

Alle vier haben eine Voraussetzung gemeinsam: Es muss eine psychische Erkrankung vorliegen, die eine Behandlung braucht, und diese Erkrankung hat ein Mensch, nicht ein Paar. Die Patientin oder der Patient ist immer eine einzelne Person. Ein Paar, das sich immer wieder in denselben Streit verstrickt, ist in diesem System kein Behandlungsfall, auch wenn beide darunter leiden. Dazu passt, wie das Psychotherapeutengesetz die Psychotherapie abgrenzt: Tätigkeiten, die nur die Aufarbeitung oder Überwindung sozialer Konflikte zum Gegenstand haben, gehören nicht zur Ausübung der Psychotherapie.

Über den Ernst eurer Lage sagt das nichts. Eine Paarkrise kann genauso viel Kraft kosten wie eine Krankheit. Sie wird im Versicherungssystem nur anders eingeordnet.

Und die private Krankenversicherung?

Auch private Krankenversicherungen übernehmen Paartherapie in der Regel nicht. Was Psychotherapie angeht, unterscheiden sich die Tarife allerdings stark. Wenn ihr privat versichert seid und unsicher seid, fragt am besten vorher bei eurer Versicherung nach und lasst euch die Antwort schriftlich geben, bevor ihr mit einer Therapie beginnt.

Was es bedeutet, selbst zu zahlen

Selbst zu zahlen ist für viele Paare eine echte Hürde. Es hat aber auch Vorteile, die man leicht übersieht:

  • Es gibt keinen Antrag und kein Gutachterverfahren, ihr könnt beginnen, wenn ihr bereit seid.
  • Ihr braucht keine Diagnose, um anzufangen. Ihr kommt als Paar mit einer Frage, nicht als Patienten.
  • Ihr seid nicht an die Stundenkontingente gebunden, die eine Krankenkasse für eine Psychotherapie genehmigt.
  • Ihr bekommt exklusive Hilfe, die nicht in den Psychotherapierichtlinien vorgesehen ist. Das kann wesentlich wirkungsvoller sein.

Wenn ihr selbst zahlt, lohnt es sich, ein paar Dinge vorher zu klären, egal bei wem: Wie lang dauert eine Sitzung, und was kostet sie? Was kostet das Erstgespräch? Wie werden Termine berechnet, die ihr kurzfristig absagt? Und bekommt ihr eine Rechnung? Wer diese Fragen am Anfang stellt, erlebt später keine Überraschung.

Ob eure Paartherapie steuerlich eine Rolle spielen kann, kann ich euch nicht beantworten. Das gehört in ein Gespräch mit einer Steuerberatung.

Kostenfreie Alternativen: die Beratungsstellen

Viele kirchliche und soziale Träger bieten Paarberatung kostenfrei oder einkommensabhängig an, etwa Caritas, Diakonie oder pro familia. Für viele Paare ist das ein guter erster Schritt. Worin sich Beratung und Therapie unterscheiden, beschreibe ich im Beitrag Paartherapie, Paarberatung oder Paarcoaching.

Was das für euch bei mir heißt

Eine Paartherapie bezahlt ihr selbst. Eine Sitzung kostet 420 Euro, für Paare und Einzelne gleich. Im Erstgespräch sprechen wir offen darüber, was für euch machbar ist.

Und weil ich als Psychotherapeutin diagnostisch geschult bin, achte ich im Erstgespräch auch darauf, ob hinter eurem Streit vielleicht eine psychische Erkrankung bei einem von euch steht. Wenn ich diesen Eindruck habe, sage ich es euch offen, und wir besprechen gemeinsam, welcher Weg dann für euch der richtige ist. Wie eine Paartherapie bei mir abläuft, steht im Beitrag Paartherapie online.

Quellen

Erstgespräch

Wenn ihr darüber sprechen wollt

Im Erstgespräch erzählt ihr, ich höre zu und stelle Fragen. Am Ende sage ich euch offen, ob ich glaube, dass ich mit euch arbeiten kann, und wie. Ihr entscheidet danach in Ruhe. Das Erstgespräch dauert wie jede Sitzung 90 bis 120 Minuten und kostet 420 Euro.

Bitte schreibt in eine erste E-Mail keine Einzelheiten zu eurer Situation. Ein Satz, dass ihr ein Erstgespräch möchtet, und eine Telefonnummer reichen.